Karate-Techniken

Kihon · Die Grundschule

Jede Technik
hat einen Namen.

基本

Im Training fallen viele japanische Begriffe: Zenkutsu-dachi, Gyaku-zuki, Mae-geri. Hinter jedem steckt eine genaue Beschreibung dessen, was der Körper tut. Wer die Wörter versteht, lernt die Technik schneller.

Auf dieser Seite stellen wir die Grundtechniken des Shotokan vor, so wie wir sie in Bad Lausick trainieren. Jede Karte zeigt den japanischen Namen, die Schriftzeichen, die Übersetzung und worauf es ankommt. Wie Kihon, Kata und Kumite zusammenhängen, steht auf unserer Seite Karate.

Wohin die Technik zielt

  • Jōdan · Kopf
  • Chūdan · Rumpf
  • Gedan · unterhalb des Gürtels

01 / Dachi

Stellungen

立ち

Der Stand entscheidet, ob eine Technik trägt. Jede Stellung verteilt das Gewicht anders und ist für eine bestimmte Aufgabe gemacht: nach vorn angreifen, zurückweichen, zur Seite arbeiten.

Gegrüßt wird aus Musubi-dachi, die Fersen zusammen, die Fußspitzen geöffnet. Die sechs Stellungen darunter begegnen dir in jedem Training.

八字立ち

Hachiji-dachi

Natürliche Stellung

Füße schulterbreit, Fußspitzen leicht nach außen, Knie locker. Die Bereitschaftsstellung vor jeder Übung, wenn das Kommando „Yōi“ kommt.

前屈立ち

Zenkutsu-dachi

Vorwärtsstellung

Langer, tiefer Stand. Das vordere Knie steht über dem Fuß, das hintere Bein ist gestreckt, rund 60 Prozent des Gewichts liegen vorn. Die Grundstellung für Angriffe.

後屈立ち

Kokutsu-dachi

Rückwärtsstellung

Etwa 70 Prozent des Gewichts ruhen auf dem hinteren Bein, die Füße stehen fast im rechten Winkel zueinander. Typisch für Abwehrtechniken wie Shutō-uke.

騎馬立ち

Kiba-dachi

Reiterstellung

Breiter Stand, Füße parallel, das Gewicht genau in der Mitte, die Knie drücken nach außen. Stabil für Techniken zur Seite und Grundlage der Tekki-Kata.

猫足立ち

Neko-ashi-dachi

Katzenfußstellung

Fast das ganze Gewicht liegt auf dem hinteren, gebeugten Bein. Der vordere Fuß berührt den Boden nur mit dem Ballen und ist sofort frei für einen Tritt.

不動立ち

Fudō-dachi

Unbewegliche Stellung

Zwischen Vorwärts- und Reiterstellung: beide Knie gebeugt und nach außen gespannt, das Gewicht mittig. Kaum umzustoßen. Im Shotokan auch Sōchin-dachi genannt.

02 / Tsuki

Fauststöße

突き

Der gerade Fauststoß ist die bekannteste Technik des Karate. Die Kraft kommt nicht aus dem Arm, sondern aus Beinen und Hüfte. Getroffen wird mit den Knöcheln von Zeige- und Mittelfinger.

Steht ein Wort davor, wird aus Tsuki in der Aussprache -zuki: Oi-zuki, Gyaku-zuki.

直突き

Choku-zuki

Gerader Stoß

Der Fauststoß aus dem Stand, ohne Schritt. Die Faust dreht erst kurz vor dem Ziel nach unten. Hier lernt jeder die Stoßbahn und das Zurückziehen der anderen Hand.

追い突き

Oi-zuki

Verfolgungsstoß

Mit einem Schritt nach vorn stößt die Faust auf der Seite des vorderen Beins. Die Technik des Kihon schlechthin: Sie überbrückt eine große Distanz.

逆突き

Gyaku-zuki

Umgekehrter Stoß

Gestoßen wird mit der Hand, die dem vorderen Bein gegenüberliegt. Die Hüfte dreht kräftig mit, deshalb ist er meist der stärkste Stoß und im Kumite der häufigste.

刻み突き

Kizami-zuki

Stoß mit der Führhand

Schneller Stoß mit der vorderen Hand, oft mit kleinem Gleitschritt. Wenig Anlauf, viel Tempo: gut, um die Distanz zu schließen oder einen Angriff vorzubereiten.

鉤突き

Kagi-zuki

Hakenstoß

Die Faust läuft waagerecht vor dem eigenen Körper zur Seite, der Ellbogen ist rechtwinklig gebeugt. Eine Technik für die kurze Distanz, bekannt aus den Tekki-Kata.

諸手突き

Morote-zuki

Beidhändiger Stoß

Beide Fäuste stoßen gleichzeitig und parallel nach vorn. Die Technik schult, beide Körperseiten gleich stark und gleich schnell einzusetzen.

03 / Uke

Abwehrtechniken

受け

Uke heißt wörtlich „empfangen“. Eine Abwehr soll einen Angriff nicht aufhalten wie eine Wand, sondern ihn vom Ziel weglenken.

Im Shotokan werden die Abwehrtechniken kraftvoll und mit ganzem Körper ausgeführt, damit der Gegenangriff direkt folgen kann.

下段払い

Gedan-barai

Fegende Abwehr nach unten

Der Unterarm fegt einen Angriff auf Bauch oder Unterleib zur Seite. Meist die erste Abwehr, die man lernt, und fester Bestandteil jeder Grundkata.

上げ受け

Age-uke

Abwehr nach oben

Der Unterarm steigt schräg vor der Stirn nach oben und lenkt einen Angriff zum Kopf über dich hinweg ab. Die Faust steht dabei etwas höher als der Ellbogen.

外腕受け

Soto-ude-uke

Abwehr von außen

Der Arm schwingt von außen zur Körpermitte und schlägt einen Stoß auf den Rumpf zur Seite. Im Training meist kurz Soto-uke genannt.

内腕受け

Uchi-ude-uke

Abwehr von innen

Der Unterarm dreht von der Körpermitte nach außen. Die Gegenbewegung zu Soto-uke: kürzer im Weg und gut für schnelle Anschlusstechniken.

手刀受け

Shutō-uke

Handkantenabwehr

Mit offener Hand und der Kleinfingerkante, meist aus der Kokutsu-dachi. Die zweite Hand liegt schützend vor dem Körper. Ein Klassiker der Heian-Kata.

十字受け

Jūji-uke

Kreuzabwehr

Beide Unterarme kreuzen sich und fangen einen Angriff in der Gabel ab: nach unten gegen einen Tritt, nach oben gegen einen Schlag zum Kopf.

04 / Geri

Tritte

蹴り

Die Beine sind stärker als die Arme und reichen weiter. Dafür dauert ein Tritt länger und kostet Gleichgewicht. Entscheidend ist, was davor und danach passiert: Das Knie kommt hoch, der Fuß wird schnell zurückgeholt.

Zwei Ausführungen unterscheidet man: Keage, schnappend, und Kekomi, stoßend.

前蹴り

Mae-geri

Tritt nach vorn

Knie hoch, dann schnellt der Unterschenkel nach vorn. Getroffen wird mit dem Fußballen, die Zehen sind angezogen. Der erste Tritt, den man lernt.

回し蹴り

Mawashi-geri

Halbkreistritt

Das Knie kommt seitlich hoch, der Fuß trifft im Bogen mit Spann oder Ballen. Im Wettkampf beliebt, weil er den Kopf von der Seite erreicht.

横蹴り

Yoko-geri

Seitwärtstritt

Tritt zur Seite mit der Fußaußenkante. Als Keage schnappt er aus dem Knie nach oben, als Kekomi stößt er gerade und mit ganzer Kraft durch.

後ろ蹴り

Ushiro-geri

Tritt nach hinten

Der Blick geht über die Schulter, dann stößt die Ferse gerade nach hinten. Sehr kraftvoll, aber nur mit guter Orientierung sicher.

三日月蹴り

Mikazuki-geri

Sicheltritt

Das Bein beschreibt einen Bogen wie eine Mondsichel und trifft mit der Fußsohle. Dient oft dazu, einen Arm des Gegenübers wegzuschlagen.

膝蹴り

Hiza-geri

Kniestoß

Das Knie stößt nach vorn oder nach oben. Eine Technik für die ganz kurze Distanz, wenn für einen Tritt kein Platz mehr ist.

05 / Uchi

Schläge

打ち

Bei einem Schlag stößt der Arm nicht gerade nach vorn, sondern schwingt oder schnappt, meist aus dem Ellbogen. Getroffen wird nicht nur mit der Faust, sondern auch mit Handkante, Handballen oder Ellbogen.

Welcher Teil der Hand trifft, verrät der Name der Technik.

裏拳打ち

Uraken-uchi

Rückfaustschlag

Die Faust schnappt aus dem Ellbogen heraus und trifft mit dem Faustrücken. Sehr schnell, seitlich oder nach vorn zum Kopf.

鉄槌打ち

Tettsui-uchi

Hammerfaustschlag

Die geschlossene Faust trifft mit der Kleinfingerseite, wie ein Hammer. Sie schwingt von oben oder von der Seite ins Ziel.

手刀打ち

Shutō-uchi

Handkantenschlag

Die offene Hand schlägt mit der Kleinfingerkante, von außen nach innen oder umgekehrt. Die Finger liegen fest zusammen, der Daumen ist angewinkelt.

背刀打ち

Haitō-uchi

Innenhandkantenschlag

Wie Shutō, nur mit der Daumenseite der offenen Hand. Der Arm schwingt in einem Bogen und kommt oft überraschend von außen.

猿臂打ち

Empi-uchi

Ellbogenschlag

Empi heißt „Affenarm“. Der Ellbogen schlägt nach vorn, zur Seite, nach oben oder nach hinten. Auf kurze Distanz eine der wirksamsten Techniken.

掌底打ち

Teishō-uchi

Handballenschlag

Die Finger sind zurückgebogen, getroffen wird mit dem Handballen. Kraftvoll und schonend für die eigene Hand.

Was jede Technik verbindet

Vier Wörter,
die du oft hörst.

引き手

Hikite

Die zurückziehende Hand

Während eine Hand stößt, zieht die andere kräftig an die Hüfte. Das gibt der Technik Kraft und hält die Körpermitte stabil.

極め

Kime

Der entscheidende Moment

Beim Auftreffen spannt sich der ganze Körper für einen Augenblick an und löst sich sofort wieder. Ohne Kime ist eine Technik nur eine Bewegung.

気合

Kiai

Der Kampfschrei

Ein kurzer, lauter Ruf aus dem Bauch. Er bündelt Atmung und Anspannung und steht in jeder Kata an festen Stellen.

残心

Zanshin

Der wache Geist

Nach der Technik ist nicht Schluss. Blick und Aufmerksamkeit bleiben beim Gegenüber, bereit für das, was als Nächstes kommt.

06 / Dein Fortschritt

Dein Lernweg.

Niemand lernt alles auf einmal. Die Liste zeigt grob, in welcher Reihenfolge die Techniken dazukommen: vom ersten Training bis zu den Prüfungen für den Braungurt. Hake ab, was du schon sicher kannst.

Was genau zu jeder Gürtelprüfung gehört, legt die Prüfungsordnung fest.

Prüfungsordnung bei den Downloads

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Einstieg
Mittelstufe
Fortgeschritten

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07 / Häufige Fragen

Gut zu wissen.

Muss ich die japanischen Namen auswendig können?

Nein. Im Training werden die Techniken auf Japanisch angesagt und gleichzeitig vorgemacht. Nach ein paar Wochen kennst du die wichtigsten Begriffe von selbst. Bei der Gürtelprüfung solltest du die Namen der geprüften Techniken verstehen.

Wie lange dauert es, bis eine Technik sitzt?

Die grobe Form lernst du in wenigen Trainings. Bis ein Gyaku-zuki wirklich trägt, vergehen Jahre, und auch Schwarzgurte feilen in jedem Training weiter daran. Genau das ist mit Kihon gemeint.

Warum übt man die Techniken in die Luft?

Im Kihon geht es zuerst um die Form: Stand, Hüfte, der Weg der Hand. Ohne Partner kannst du dich ganz darauf konzentrieren. Im Kumite kommen dann Distanz und Timing dazu, in der Kata der Ablauf.

Wird im Training mit voller Kraft getroffen?

Nein. Im Shotokan wird jede Technik kontrolliert: Sie stoppt kurz vor dem Ziel oder berührt nur leicht. Volle Kraft und saubere Kontrolle zugleich, das ist die eigentliche Kunst.

Ich bin nicht beweglich. Kann ich trotzdem anfangen?

Ja. Beweglichkeit ist ein Ergebnis des Trainings, keine Voraussetzung. Tritte übst du zuerst auf Bauchhöhe, die Stände so tief, wie es dir guttut. Bei uns trainieren Mitglieder ab 7 Jahren.

Brauche ich Vorkenntnisse?

Nein. Jeder hat einmal mit dem ersten Gedan-barai angefangen. Komm zum Probetraining, bequeme Sportkleidung genügt. Die ersten drei Trainings sind kostenlos.

Einfach
ausprobieren.

Du brauchst keine Vorkenntnisse. Bequeme Sportkleidung genügt für das erste Training — Schuhe brauchst du nicht, wir trainieren barfuß. Die ersten drei Trainings sind kostenlos.